Neues Buch über Traumdeutung

Wir verbringen die meiste Zeit unseres Lebens damit, zu leben, für Familie und Freunde da zu sein, neue Menschen kennenzulernen, gemeinsam berufliche Erfolge zu erzielen oder aber, um einander zu unterhalten. Einen wesentlichen Anteil unseres Lebens blenden wir dabei völlig aus; die Zeit, in der wir schlafen. Für einen Langschläfer macht der Schlaf ein Drittel seines Lebens aus. Für den durchschnittlichen Menschen ein gutes Viertel. Was aber, tun wir in dieser Schlafphase, wenn wir nicht wach sind? Wir nutzen diese Zeit, um uns körperlich zu erholen. Der Schlaf stellt für ehrgeizige Menschen einen Zwang dar, da sie ihre Lebenszeit nicht gänzlich zu nutzen vermögen. Schaut man jedoch tiefer in das Geheimnis des Schlafens hinein, so erkennt man seinen unermesslichen Wert; das Träumen. Träume sind kritisch. In jeder Hinsicht ist ihr Zugang ein beschwerlicher, denn wer erinnert sich schon an seine Träume? Und wer nimmt sie ernst? Es gibt unterschiedliche Arten des Traums, die hier zu klassifizieren nicht sachdienlich wäre. Über die Sprache des Traums darf ein ganzheitliches Urteil gefällt werden, da es eine – im wahrsten Sinne des Wortes – universale Sprache ist. Der Traum, ob nun der des Kraftfahrers im Hamburger Hafen oder der Traum eines kleinen Mädchens in Südvietnam, kommuniziert in Symbolen. Um genau zu sein, sprechen Träume Aspekte auf eine Art und Weise an, die für unser alltägliches Leben völlig unverständlich, verblüffend oder gar verwirrend sind. Symbole kennen wir aus dem Straßenverkehr oder beim Besuch großer Gebäude. Wir können nicht viel lesen auf den Schildern, aber wir wissen, was die Symbole bedeuten. Ein EXIT-Schild etwa weist uns den Weg für den Fall eines drohenden Brands. Auf der Straße aber macht ein solches Symbol keinen Sinn, weil es sich nicht um einen abgeschlossenen Raum handelt. Hierin liegt der Hund begraben. Im Traum haben nämlich Raum und Zeit verkehrte oder besser gesagt umgekehrte Bedeutungen. Es ist möglich, dass in einem Traum ein Verkehrsschild mitten im Wohnzimmer steht. Oder ein EXIT-Schild in einem Raum ohne Türen. So schließen wir folglich, dass Träume in Symbolen sprechen, der Kontext jedoch nicht den uns bekannten Gesetzen unterliegt. Die emotionale Kapazität allein dient uns als Wegweiser. Im Traum empfinden wir nämlich. Und selbst eine merkwürdige Handlung, die wir im Leben nie zu tun wagten, mag uns im Traum als das selbstverständlichste der Welt erscheinen. Dies ist möglich, und es handelt sich um ein deutbares Symbol. Sprachen können wir lernen. Wir erblicken zuerst die Zeichen, lernen ihre Aussprache und üben die ersten Worte. Die Sprache des Traums scheint lernbar zu sein, aber dies ist an bestimmte Bedingungen geknüpft. So kann die Bedeutung eines Symbols von Traum zu Traum unterschiedlich sein. In der Traumdeutung spricht man von Traumformen oder Traumklassen. Es kann sein, dass man einen abenteuerlichen Fahrzeugtraum hat, in dem das Auto plötzlich stehen bleibt und schwebt. Es kann aber auch sein, dass das gleiche Auto in einem anderen Traum auftaucht, ebenfalls stehen bleibt. Der Durchschnittsmensch stellt nun einen Zusammenhang her, weil es eben das gleiche Bild war. Nach logischer Schlussfolgerung wäre dies auch ganz richtig, aber die Logik an sich ist ein Gesetz unserer Welt, in der wir leben und arbeiten. Im Traum gibt es auch eine Logik, aber sie ist immer an den jeweiligen Traum gebunden. Man muss Symbole also stets im Dialekt des jeweiligen Träumers begreifen. Unterstellen wir dem Traum eine Sprache zu besitzen, müssen wir davon ausgehen, dass es genauso viele Dialekte wie Träumer gibt. Manchmal sprechen manche Träumer bzw. Träumende mehrere Dialekte. Es gibt auch Träumende, die ihr Leben lang eine einfache Symbolik in ihren Träumen haben. Und wiederum gibt es Traumdialekte, die bei Völkern stark verbreitet sind. Um die Sprache des Traums zu begreifen, müssen nicht nur fundierte Kenntnisse von Symbolgeschichte und Tiefenpsychologie da sein, sondern auch ein vertrauter Umgang mit Menschen. Letztendlich ist das verbindlichste Glied der Traumdeutung der Mensch selbst, der einen Traumbericht wiedergibt. Wenn wir in die eigene Lebensgeschichte schauen, dann erkennen wir, dass wir ein weiteres Leben haben, das aus Träumen besteht. Diese Träume, die wir nicht vergessen können, stellen einen Teil unseres Lebens dar, der nicht selten wesentlich wichtiger erscheint. Das Behandeln genau dieser Träume ist unabdingbar für eine erfüllende Lebensqualität. Träume sind die Brücken zu unserem ganzheitlichen Dasein, das wir in seiner Vollkommenheit würdigen möchten. Zu Beginn des Dritten Jahrtausends ist die Menschenwelt kleiner geworden, was eine globale Traumkultur notwendig macht. Träume unterscheiden sich von Kultur zu Kultur, aber es mangelt uns an einer globalen Bewusstheit gegenüber dieser spirituellen Thematik. Als Nafsologe ist es mir bereits seit über zehn Jahren klar, dass der Mensch ein spirituelles Wesen ist. Die Formbarkeit des eigenen Lebens ist auf mehreren Ebenen möglich, insbesondere im Innenleben des einzelnen Menschen. Übernimmt er nicht die Verantwortung für sein Innenleben, wird sein äußeres Leben den stärksten Einfluss auf ihn und seine Entscheidungen ausüben. Das sind Situationen, allerlei Probleme und Konflikte, aber auch andere Menschen und ihre Interessen. Diese Zweiseitigkeit ist auch als paradoxe Physis zu verstehen, da die Egophysis anders beschaffen ist als die Nafsophysis, wobei sie beide in einem einzigen Menschen wohnen.
[...]

[Auszug aus: Somnologie. Die Kunst des Traumdeutens. Zemhoute,Youssef. 2019,Duisburg. Youssef Zemhoute Verlag]

 

Somnologie
Die Kunst des Traumdeutens

von Youssef Zemhoute

Warum schlafen wir? Was ist Traumdeutung? Wie wird man Traumdeuter? Was heißt es, einen Wahrtraum zu haben, der zukunftsdeutend sein könnte? Wie geht man mit Traumsymbolen um? Was bedeuten Alpträume? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich dieses Buch des Autoren, der den Versuch macht, die Traumdeutung zu verwissenschaftlichen.

Neues Buch über Traumdeutung Somnologie Ebook Buch Nafsologie Youssef Zemhoute