Das entheiligte Ich im Delirium

Das entheiligte Ich im Delirium

Das Besondere am Ego ist, dass es sich zu verbergen weiß. Es verbirgt sich sogar vor den eigenen Blicken. Wir erkennen es an unserem alltäglichen Sprachstil. Wir reden häufig vom Ich-Gefühl oder vom Ich-Bewusstsein, wobei diese Wörter kaum Sinn ergeben. Man stellt dies fest, wenn man sich die Frage stellt, ob es ein Es-Gefühl, ein Er-Gefühl oder gar ein Wir-Bewusstsein gäbe. Natürlich gibt es all diese alternativen Wörter nicht, was daran liegt, dass Fühlen, Denken und Bewusstwerdung immer im einzelnen Menschen passieren. Genauso ist es mit dem Gefühl der Liebe. In ihrem Kontext gibt es das populäre Wort der „Selbstliebe“ oder „Ich-Liebe“, was wiederum keinen Sinn ergibt. Man stelle sich diesbezüglich vor, dass jede Fremdliebe, die nach außen gerichtet ist – zu wem auch immer – in einem Selbst stattfindet. Was also soll diese verfälschte Haarspalterei?! Es ist unserem Ego geschuldet. Das Ego richtet sich nämlich immer so aus, dass es aus allem seine Kraft zieht, was außerhalb seiner Selbst ist. So gelingt es uns, falsche Annahmen fest zu halten und sie zu Glaubenssätzen zu machen. Kurzum, ist jede Form der Egofikation – wie ich sie nenne – eine Art der Entheiligung. Dadurch dass wir uns selbst bewörtern und lieben und Ich-en, verlassen wir die Ganzheitlichkeit unseres Seins und Bewusstseins. Dies führt dazu, dass wir etwas sind, was nicht wirklich echt ist. Das ist das entheiligte Ich im Delirium, das Ego.

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