Menschen, die andere dauernd zurechtweisen

Menschen, die andere andauernd zurechtweisen Soulphone Youssef ZemhouteMenschen, die andere dauernd zurechtweisen, sind i. d. R. Führungskräfte geworden. Allerdings werden sie nur in den Unternehmen Führungskräfte, denen Zahlen wichtiger sind als die Wertschöpfung ihrer Produktivität. Daher darf man nicht jede Führungskraft als solche abkanzeln. Nicht alle Führungskräfte sind Menschen, die andere dauernd zurechtweisen.

Wie kommt eine solche Situation zu Stande? Man muss die Frage negativ stellen, um bessere Antworten zu erhalten. Gibt es eine Führungskraft, die nicht ihr Team oder ihre Abteilung ständig zurechtweist? Nein. Das ist definitiv nicht der Fall. Es gibt Angestellte, die systemklug handeln und sich so verhalten, dass die Beziehung zu den Vorgesetzten immer erhalten bleibt. Diese Angestellten sind auch diejenigen, die später befördert werden und selber genau das tun, was schlechte Führungskräfte tun.

Wie soll man damit umgehen? Als Angestellter sollte man die Kündigung einreichen, nachdem man ein kleineres Unternehmen in der gleichen Branche entdeckt hat. Kleinere Unternehmen mit ca. 50 Mitarbeitern sind offener und herzlicher als große hierarchisierte Unternehmen. Das Stichwort ist auch nicht flache Hierarchie, sondern gar keine Hierarchie. Es gibt einen Geschäftsführer oder Unternehmer und seine Angestellten. Evtl. gibt es noch eine geschäftsführende Assistenz. Das ist ein so genanntes organisches Unternehmen. Der Mensch ist auch organisch. Deshalb sollten Sie solche Unternehmen vorziehen. Menschen, die andere dauernd zurechtweisen, gehen absichtlich in riesige Unternehmen mit vielen Hierarchien und Abteilungen.

Man mag mir vorwerfen, dass ich als unabhängiger Berater nicht das Recht habe, gegen die großen Unternehmensberater zu argumentieren, weil ich nicht die gleichen Aufträge wie sie bekomme. Erstens weiß man das nicht über mich und zweitens ist es gar nicht so schade, denn mich interessieren überwiegend die organischen Unternehmen. Gute Führungskräfte gibt es kaum, weil die meisten Aufsteiger und Spezialisten glauben, Karriere nur in bekannten Unternehmen machen zu müssen. Das ist nicht wahr. In Zukunft werden aus gesundheitlichen Gründen immer mehr Spezialisten in den Mittelstand flüchten. Bevor sie dort ankommen, sollten sie jedoch Ihre Persönlichkeit entwickeln und souveränes Führen erlernen. Eine gute Führungskraft ist wie ein Lehrmeister. Das Team, die Abteilung oder die Angestellten sind wie Lehrlinge zu behandeln – ungeachtet ihrer Fähigkeiten. Es muss eine Zuneigung geben und eine Offenheit für Kritik, Fragen und Sorgen oder interne Probleme. Natürlich kann man sich beim Militär bewerben, aber die Menschen, die andere dauernd zurechtweisen, würden sich das niemals trauen.