Meine therapeutische Arbeit ist der Psychologie entgegen gesetzt. Hierfür gibt es mehrere Gründe. Die Psychotherapie ist eine Methode, deren Berufsgruppe ich nicht pauschal verurteilen möchte, sehr wohl aber ihre Methode. Sie gründet nämlich auf der Psychologie. Einerseits ist die Psychologie in einer reduzierten Philosophie begründet, andererseits blendet sie wesentliche Elemente des Menschseins aus. Die Psychologie und ihre Entwicklung bis zu dem, was sie heute ist, beweist diese Tatsache. So finden wir überwiegende statistische Befunde und Reduktionen von Persönlichkeitstypen in ihr, die die Individualität des Menschen verklären. Die Rede über Anlage und Umwelt als die größten Faktoren, sind an sich ebenfalls auf die physikalische Welt beschränkt, wobei sie von spirituellen Aspekten völlig befreit ist. Was bedeutet dies? Die Psychologie ist eine empirische Wissenschaft geworden, die den Menschen auf seine plastische Existenz beschränkt. Dass dies zu fatalen Schlüssen führt, liegt auf der Hand. Was ist nämlich der einzelne Mensch ohne seine Individualität?

Seele Nafsotherapie PsychotherapieDer Begriff der Individualität wird in der Psychologie als Summe kausaler Entscheidungen betrachtet. Für alles, was ein Mensch tut, gäbe es eine kausale Argumentation. Und für alles, was er ist, lassen sich kausale Aussagen aufstellen. Aus nafsotherapeutischer Sicht ist dies völlig falsch. Die Nafsotherapie setzt dort an, wo die moderne Wissenschaft nicht hingeht. Es ist der wissenschaftliche Ort, in dem die Kausalität keine Wertigkeit mehr besitzt. Das liegt daran, dass die Kriterien, die ein moderner Wissenschaftler nutzt, nicht mehr greifen bzw. keine kausalen Beweisführungen mehr zulässt, die empirisch nachvollziehbar sind. Das heißt aber nicht, dass sie unwahr, erlogen oder falsch seien. Sie sind lediglich nicht zählbar. Die Nafsologie kümmert sich nicht um einfache Zählbarkeit, weil sie den Menschen über seine Sprache versteht. Hierzu braucht es deshalb eine kommunikative Auseinandersetzung mit dem Menschen, die völlig frei von Kausalität ist. Auch muss sie frei von Körperlichkeit sein, was einem humanistischen Wissenschaftler schwerfällt, da er dazu neigt, den menschlichen Körper mit dem Menschsein gleichzusetzen. Wenn dem so wäre, dann gäbe es keinen Unterschied zwischen uns und Tieren. Sie essen, schlafen, trinken, pflanzen sich fort, wie wir auch. Tatsächlich wird der Mensch auch als das höchst entwickelte Tier erachtet, was die diversen Fragen, die uns begleiten, nicht beantwortet. Zugegeben, die Psychologie ist eine sehr junge Wissenschaft. Allerdings gab es vor ihr bereits diverse Schriften, Anekdoten und auch wissenschaftliche Versuche all die Dinge zu erklären, die wir mit unserem empirischen Blick nicht mehr nachvollziehen können. Die Nafsotherapie ist in dieser Hinsicht ebenfalls von der Psychologie zu unterscheiden. Sie ist keine Schablone und benutzt keine Etiketten, um einen Menschen zu verstehen und ihn sich selbst verständlicher zu machen. Das Empfinden ist niemals zu werten, sofern man nicht über sein eigenes spricht. Das verklären Psychologen, was sie zum Teil auch zu Werkzeugen neoliberaler Identitätsentwicklung gemacht hat. Nicht alle, aber doch viele Psychotherapeuten werden aufgesucht, wonach sie von zurechtgestutzten und funktionierenden Rollenspielern verlassen werden. Das Leben allerdings ist jenseits unserer sozialen Rollenspiele. Die inneren Dimensionen des Menschseins zu ignorieren, erzeugt viele Probleme und Schwierigkeiten in unseren Gesellschaften. Daher ist es so wichtig, sich der vielen Menschen anzunehmen, auf einer Art und Weise, die die spirituellen Fragestellungen würdigt. Diese Menschenwürde wiederum ist nicht an Bedingungen geknüpft, sondern immer an den einzelnen Menschen, der sich in eine Therapie begibt.

Man kann eine Persönlichkeitsentwicklung nicht beginnen, wenn man nie wirklich zu dem Menschen vordringt, der vor einem sitzt. Psychotherapeutische Gespräche beschränken sich häufig auf die Rollenverhältnisse, die Beziehungen und die kausalen Zusammenhänge, die von außen sichtbar werden. Das ist in der Nafsotherapie erst einmal uninteressant. In heutiger Zeit ist es wichtiger herauszufinden, wer sich hinter den Masken eines Patienten versteckt. Dort muss man den Menschen suchen und ihn fragen, was sein Anliegen ist und was ihn bedrückt. Die Kommunikation mit den Masken eines Menschen führt lediglich zu einer Maskerade der Eitelkeiten von Therapeut und Patient. Die Kommunikation steht bei meiner Nafsotherapie im Vordergrund. Die größten Zwänge, die einen Menschen daran hindern, seinen eigenen Weg zu gehen, sind niemals gesellschaftliche, politische oder gar wirtschaftliche Aspekte, sondern er selbst. Wie das vonstatten geht, ist sehr kompliziert und es unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Allerdings gibt es verwandte und ähnliche Muster, die die gleiche Geschichte nach sich ziehen. In meinem Buch über die Nafsologie habe ich darüber geschrieben und es erläutert.

In erster Linie geht es mir darum, einen Raum für den einzelnen Menschen zu schaffen, indem er sich kommunikativ so entfalten kann, dass mir klar wird, was er nicht zu entfalten fähig ist. Das Warum wird im Laufe des Gesprächs aufkommen, so er genügend darauf vertrauen kann, dass ich ihn als eigenständiges Wesen, als Menschen würdevoll akzeptiere. Nafsotherapie ist notwendig, denn was nützt ein Leben, wenn man den einzelnen Menschen nicht lebensfähig macht, so wie er es sich für sich wünscht? Ein miserables Leben gibt es bei Reich und Arm, bei Dick und Dünn, bei Krank und Gesund, weil es an die Seele gebunden ist und nicht an physikalische Zustände. Es fällt schwer, dies zu begreifen, bis man es selbst erlebt. Und man stelle sich mal vor, wie außergewöhnlich man leben würde, wenn man sich - ungebunden an Widrigkeiten des Lebens - an allem erfreut, was kommt und geht? Ein solches Leben ist möglich zusammen mit dem, was der einzelne Mensch an Potenzialen mit sich bringt.