Oder: Wie rette ich mein Lokal in der Stadt? Der Einzelhandel müsse gerettet werden. Ein breiter Aufruf auf eine zentralisierende Wirtschaftskultur. Nur begreife ich nicht, weshalb der Einzelhandel zunehmend die Systeme der Konzerne nutzt, die die Logistik dominieren. Wenn bspw. Bücher über vier Systeme bestellt, verschickt und verkauft werden, wobei gleichzeitig kein direkter Kontakt zwischen Buchhändler und Verleger zu Stande kommt, dann ist es verständlich, dass die Buchhandlungen kaputt gehen. Sie bieten alle das gleiche Angebot an. Genauso ist es bei der Fashion-Industrie. Es ist meistens eine gleichgemachte Fashion-Station. Alle Lokale sehen gleich aus. Gleiche Klamotten, gleiche Musik, gleiche Kälte. Und hinzu kommt das Missachten der jeweiligen Stadt. Ich verstehe nicht, weshalb ein Modehaus in München, genauso so aussehen sollte wie ein Modehaus in Hamburg. Nun kann man sagen, dass es mit Markenstrategie zusammenhängt. Allerdings vergessen diese Experten, dass Wirtschaft in erster Linie die Nachfrage anspricht und die unterscheidet sich zwischen München und Hamburg. Oder möchte mir da jemand widersprechen? Gerade in heutigen Zeiten, bei denen der Online-Handel stark präsent ist, gibt es das Anzeichen dafür, sich neu auszurichten. Gar nichts zu ändern und zu jammern, hoffend, dass es von selbst besser werde, ist ein Irrtum. Man muss die Menschen einladen. Schließlich ist es wirklich praktischer ein Hemd zu bestellen, wenn man nur genau dieses Hemd wollte. Ein Modehaus sollte mehr als ein Ort des Einkaufens sein. Es geht ja schließlich um Mode. Genauso der Buchhandel. Man sollte dort sitzen und lesen dürfen. Dann kommen Kunden. Dann kommen Leser. Dann werden Menschen neugierig. Wenn der Einzelhandel weiterhin ausstrahlt "Kaufen und gehen Sie!", dann werden die Menschen natürlich das andere vorziehen. "Online und wegbleiben!" So einfach ist das. Sprechen Sie die Leute direkter an und machen Sie etwas Spannendes daraus. Wenn Branchen einbrechen, ist es übrigens die beste Zeit für Gründer und Gründerinnen. Allerdings sollte es etwas geben, was wichtiger ist als Zahlen. 

 Wie retten wir den Einzelhandel Youssef Zemhoute