Beratungsresistenz

Senior Manager, Geschäftsführer, Top Manager, Führungskräfte und auch Vorstandsvorsitzende oder aber Verantwortliche im mittleren Management haben alle eine Ursache für ihre Probleme. Sie sind beratungsresistent. Und das gilt nicht für Berater, Unternehmensberater oder Wirtschaftsprüfer, sondern für grundsätzlich jegliche Veränderung in irgendeinem kleinen Prozess. Im Privatleben ist es vielleicht absehbar, sich nicht zu ändern. Man möchte ja, dass alles kalkulierbar bleibt, obwohl das Leben nicht kalkulierbar ist. Im unternehmerischen Sinn ist eine solche Haltung fatal. Was heißt es nämlich, wenn ein Unternehmen so miserabel ist, wie vor 5 Jahren? Beratungsresistenz. Und da darf man sich nicht wundern, wenn das Unternehmen nach 5 oder vielleicht schon 3 Jahren verschwindet. Es ist berechtigt.

Ein Unternehmen ist kein Wohlfahrtsverein mit Gelddruckmaschine. Wenn ein Unternehmen zur Wirtschaft nicht beiträgt, hat es in der Wirtschaft nichts mehr verloren. Die Frage, die sich stellt: was trägt Ihr Unternehmen zur Wirtschaft bei? Beratungsresistenz heißt auch, dass man sich gewissen Fragen nicht stellen will. Das tun dann andere, die sich als Konkurrenten erweisen und Sie endgültig aus dem Weg räumen. Manchmal reicht die schlichte Freundlichkeit bei der Konkurrenz aus, ohne dass sie dabei etwas Besseres anbieten müssten. Beratungsresistente Unternehmer und Unternehmerinnen kommen natürlich nicht weiter als diejenigen, die sich beraten lassen UND - obacht - der Beratung vertrauen. Wenn Sie einen Berater - und ich hoffe, er ist unabhängig und lebt von seinem guten Ruf - konsultieren, dann können Sie gewisse Dinge erkennen und begreifen, die Sie zuvor nicht gesehen haben. Viele behaupten, dass sie es schon wussten, taten aber trotzdem nichts dagegen!? Widersprüchlich. In jedem Falle ist die Kommunikation bei beratungsresistenten Führungspersönlichkeiten sehr schlecht. Sie verstehen nicht, werden nicht verstanden und interessieren sich auch gar nicht dafür. Es ist irgendwo ein Rollenspiel, für das sie keine Fähigkeiten bräuchten, so glauben sie.

Solche und ähnliche Annahmen stellen sich als besonders fatal dar. Spätestens bei erhitzten Märkten, rasant ansteigender Personalfluktuation und selbstverständlich Einbruch aller Zahlen, werden Sie wach. Dann ist es aber meistens zu spät und da kann ein Berater häufig nur noch therapieren, Ihnen erklären, warum es schief ging. Natürlich sollen Ihre Angestellten, Ihre Teams, Ihre "Untergegebenen" das Tagesgeschäft erledigen, das heißt aber nicht, dass Sie sie behandeln dürfen, als wären Sie entbehrlich. Wenn Sie Personal entbehrlich machen, wird das Personal Sie und das ganze Unternehmen entbehrlich machen. Ehrlich gesagt, geht es ruckzuck und schneller und besser als je zuvor. Schlimm ist es, wenn Ihre Angestellten Sie alle gleichzeitig verlassen. Dann sind Sie böse, aber was war die Ursache? Und wieso interessiert sie Sie nicht?

Manche Geschäftsleute werden unseriös, obwohl es ihnen gar nicht zusteht. Die Ansprüche der Menschen steigen und es handelt sich um charakterliche Ansprüche. Akzeptieren Sie das oder gestehen Sie sich ein, dass Unternehmertum unter diesen menschlichen Bedingungen nichts mehr ist! Sie können jeder Zeit eine Arbeitsstelle bekommen, auch als Manager oder CEO. Es gibt viele Arbeitsplätze, die Ihnen womöglich auch gut täten. Sie verstünden vielleicht, was es heißt, angeführt zu werden. Oder Sie gestehen sich ein, dass Ihre Beratungsresistenz schlimme Konsequenzen haben könnte und schildern wenigstens skizzenhaft Ihre unternehmerischen Probleme. Tun Sie aber nicht so, als wäre alles in Ordnung, wenn man tut, was Sie sagen. Ein Unternehmen ist kein Bataillon im Krieg. Und Sie sind kein Soldat. Diese Zeiten gehen allmählich vorbei. Stellen Sie sich ein gutes Unternehmen vor, wie ein Brunnen, an dem Sie stehen, den Sie pflegen und verwalten! Wenn Sie in den Brunnen spucken, wird niemand mehr daraus schöpfen. Nicht einmal Sie selbst. Ein Berater kommt und füllt Ihren Brunnen mit reinigendem Wasser, nachdem er Ihnen erklärt hat, wie wichtig Ihr Brunnen noch sein und werden könnte. Wenn Sie beratungsresistent bleiben, dann glauben Sie irgendwann, dass alles irgendwie mit Zahlen ersetzt werden kann. Nein, das kann es nicht. Telefonieren Sie zum Spaß, wenn Sie Berater immer noch nicht mögen, mit einem Insolvenzberater. Fragen Sie ihn, welche Unternehmer meistens pleite gehen, was haben die für ein Problem. Es gibt querbeet viele, aber diejenigen, die Angestellten haben, wie Sie nehme ich an, haben alle das gleiche Problem. Beratungsresistenz.

Ich hoffe, Sie wagen sich allmählich vor und befreien sich von Ihrer Beratungsresistenz. Kümmern Sie sich um Ihr Unternehmen und kultivieren Sie Ihren Charakter! Schließlich ist nichts interessanter als der Charakter.