Das größte Problem in der Mediation ist, dass sie die Zeit nicht reversibel macht. So findet sich häufig ein Scherbenhaufen vor, der nur noch gefegt werden kann. Danach schaut man sich die Türschwelle an und prüft, ob eine neue Vase platziert werden darf oder zwei Vasen zwei unterschiedliche Wege gehen müssen. In den folgenden Worten erzähle ich eine kleine Geschichte, die von außen widerspiegelt, was passiert, wenn es an partnerschaftlicher Kommunikation mangelt.

Scheiternde Lebensentwürfe in der Ehe Soulphone Youssef Zemhoute

Was Menschen entmenschlicht

Mareike und Bernd waren beide 27 Jahre alt, als sie heirateten. Sie hatten beide einen akademischen Abschluss und sie waren sich ihrer Zukunft sicher. Bernd wollte sich den Traum vom Familienvater erfüllen und Mareike in einer festen Beziehung mit solidem Eigenheim stehen. Sie beide kannten einander gut und ihre Träume waren auch abgeklärt. Mit der Zeit entwickelten sich ihre Leben sehr bereichernd. Nach bereits drei Jahren waren sie Eigentümer mit einer nicht zu hohen Hypothek, zwei Autos und lebten in einem kleinen Häuschen. Mit ihrem wachsenden Besitz traten ihre Ansprüche weiter hervor und sie bildeten sich unternehmerisch weiter. Das brachte ein Vertiefen der Persönlichkeiten.

Bernd war sehr zufrieden mit Mareike, aber ihm fehlte die Anwesenheit eines gemeinsamen Kindes. Mareike hatte enorme Karriereschritte getan und verdiente nun mehr als Bernd. Bernd tat sich in seinem Beruf etwas schwerer und hatte bereits einen erfolgreichen Nebenberuf. Seine Einnahmen stiegen linear und Mareike wetteiferte zunehmend mit ihm. Ihm wurde es klarer, als sie sich ebenfalls für seine nebenberufliche Tätigkeit vermehrt interessierte. So brachte sie vermehrt die Frage des Geldes in ihre Beziehung. Bernd ließ sich darauf ein und verzichtete vorerst auf Kinder.

Nach weiteren fünf Jahren hat sich das Vermögen des Pärchens deutlich erhöht. Sie waren nicht mehr verschuldet und erfolgreich in ihren Berufen. Mittlerweile gehörte ihnen sogar ein kleines Unternehmen, wobei Bernd die größeren Anteile hatte. Bernd hatte eine heimliche Freundin und Mareike lebte in der Promiskuität. Ihr Miteinander war trocken und leblos, was dazu führte, dass sie sich daheim aus dem Weg gingen. Nach weiteren zwei Jahren streiten sie sich immer öfter, bis sie zur Paarberatung müssen.

Nach weiteren fünf Jahren sind Bernd und Mareike geschieden, und Ende 30. Sie leben nicht mehr zusammen, Bernd löste die Firma auf und Mareike heiratete einen anderen Mann. Bernd verfiel in große Depressionen aufgrund seiner Vergangenheit mit Mareike und sie verfiel ebenfalls in Depressionen wegen ihres unermüdlichen Nachjagens einer anderen Zukunft. Bernd stellt Mareike nach, während sie ihn mit Gerichtsprozessen übersäte. Bernd entwickelt sich durch sein erfolgreiches neues Unternehmen zu einem Narzissten und Mareike ist verängstigt über seine Wandlung.

Nach drei Jahren ist Bernd im Gefängnis, weil er Mareike mit einem Messer tätlich angegriffen hat. Mareike hat die Hälfte ihre Leber verloren und mehrere Gesichtsoperationen hinter sich. Während Bernd seine Zeit absitzt, trennt sich Mareike von ihrem zweiten Ehemann, der eine neue Freundin hat. Mareike lebt alleine und unbegehrt mit einem beruflich mittelmäßigen Job und Bernd wandert vom Gefängnis in die Psychiatrische Klinik. Die Lebensentwürfe haben sich vollends zerworfen.

Warum hat es sich so entwickelt?

Erst einmal möchte ich klar sagen, dass kein Leben sich so nackt erzählt. Die Entwicklungserlebnisse waren für beide realer und sind von außen selten nachvollziehbar. Es gibt Familie, Freunde und Bekannte, die Menschen Impulse geben. In diesem Sinne sind Mareike und Bernd eine Ausnahme, da sie Workaholics waren. Allerdings gibt es eine bestimmte Ursache, weshalb sich ihre Leben so entwickelten. Es war ein Teufelskreis, der in Form einer Ehekrise ausartete. Manche sähen einen großen Vorzug darin, dass es keine Kinder gab. Manchmal jedoch verändern Kinder eine Ehe und bilden eine solide Lebensgestaltung, die versöhnlich ist oder sie verarbeiten den Konflikt bei sich, um die Eltern zusammen zu halten.

Bernd und Mareike hatten völlig unterschiedliche Vorstellungen vom Leben, wodurch sie in ihren Gegenwärtigkeiten immer unzufrieden waren. Sie erwarben sich beide das gute Leben und bauten sich eine Existenz auf, aber sie hatten unterschiedliche Gründe dafür. Mareike trachtete es nach einer ruhmreichen Karriere. Bernd wollte lediglich ein Heim für seine zukünftigen Kinder etablieren. Die einzigen Tatsachen, die die beiden miteinander verbanden, waren ihr beruflicher Eifer und die eingegangene Ehe. Sie erkennen aber, dass das nicht ausreichte. Auch wenn zwei Menschen das gleiche Auto besitzen, fahren sie nicht in die gleiche Richtung.

Ist ein solcher Fall die Regel?

Ein solcher Fall ist äußerst selten – anlässlich der gewalttätigen Eskalation – und er bildet eine Metapher auf das klassische Scheitern einer Ehe ohne Kinder. Sie werden jedoch zugeben, dass das moderne Beziehungsideal i. d. R.  so funktionieren soll. Karrierejagd damit es die Kinder mal besser hätten. In anderen Fällen ersetzen die Partner sich mehrmals nach der Scheidung. Ich rede von Ersatzpersönlichkeiten, denn nichts ist so eindrücklich wie eine jahrelange Ehe. Wiederum andere Partnerschaften erdulden einander, egal was passiert. Das können Sie besonders bei reichen Ehepaaren sehen. Eine Scheidung wäre in jenem Fall nämlich ein riesiger Vermögensverlust. So gestattet man sich lieber die Promiskuität, um wenigstens einen ehelichen Schein zu wahren. Die Lebensqualität sinkt aufgrund der inneren Qualen erheblich.

Das Gute an der Geschichte von Bernd und Mareike ist die Tatsache, dass sie keine gemeinsamen Kinder hatten, die mit den psychischen Anspannungen und den realen Schwierigkeiten aufwachsen mussten. In Zukunft verkehren sich sämtliche Probleme der Außenwelt nach innen, insbesondere dann, wenn wir nicht klar kommunizieren, was wir vom Leben wollen. Gerade die Nächsten sollten möglichst genau darüber Bescheid wissen. Ein gemeinsames Bewusstsein entsteht, wird häufig aber von einem dominanten Charaktertypen gesteuert, ganz besonders in Lebenspartnerschaften. Eine Harmonie findet sich selten, wobei sie die Brücke in einer Ehe ist.

Fazit:
Nun sind die Konflikte in dieser Geschichte klar und sichtbar. Das ist sehr selten der Fall. Die überwiegende Mehrheit der Gesellschaft leidet innerlich, heimlich und im Stillen. Diese Stille kann noch verstummen und das Innere weiter aushöhlen, oder aber man schafft es neue Kräfte daraus zu schöpfen und an sämtlichen Streitigkeiten mediativ zu wachsen. In jedem Falle darf man sich nicht als Opfer in einer funktionierenden Welt sehen, sondern muss die Welt umgestalten, um in ihr würdevoll zu leben, zu wachsen und zu gedeihen. Sie fragen sich vielleicht, was Menschen denn entmenschlicht; es ist der wuchernde Mangel an herzlicher Kommunikation, den man aufschiebt und nie auszufüllen gedenkt.

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Youssef Zemhoute
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