Als Industrie 4.0 bezeichne ich den weltweiten Mittelstand, der dazu in der Lage sein wird, unsere Wirtschaften – und damit auch die Weltwirtschaft – zu retten. Sie muss gerettet werden, denn die großen Firmen und Konzerne versagen an allen Ecken und Enden. Womöglich steigen ihre Zahlen und Gewinne, aber viele andere Zahlen steigen mit ihren Tätigkeiten, die gar nicht steigen dürften. Deshalb ist es wichtiger geworden, dass die Produkte, Waren und Dienstleistungen, derer wir alle noch sicher lange bedürfen, von kleineren Firmen bedient werden, die lokal und international zusammenarbeiten. Es muss daher nicht ein großer Konzern kommen, weil er etwa das Kapital besäße, sondern eine Unternehmerin aus Düsseldorf kann direkt von einem Bauern aus Brasilien Kaffee abkaufen und importieren. Das wäre wesentlich wichtiger, weil die Preise des Kaffeebauern nicht gedrückt werden, und die Unternehmerin in Düsseldorf besseren Kaffee natürlich und umweltfreundlich anbieten und verkaufen kann. Eine gewisse Menge muss sie nicht überschreiten, denn es geht darum – bei aller Kaffeeliebe – natürlich und im Einklang mit der Natur Kaffee zu trinken und zu genießen. Dazu gehört, dass Kaffee auch mal drei bis fünf Monate nicht lieferbar ist. Aber diesen Mangel kann ein anderen Unternehmer in Düsseldorf dann besetzen. 

Business Pläne sind nur dann nützlich, wenn man die Rückseiten für kreative Gedanken nutzt, die man dann niederschreibt. Einen Business-Plan brauchen Sie nur, wenn Sie von jemandem Geld für Ihr Projekt wollen. Ist es eine Gründung? Dann empfiehlt es sich kleiner anzufangen, mit Lean Management anstatt eine Hebelwirkung durch Kredit anzustreben. Lassen Sie lieber die Finger von Business-Plänen und fragen Sie nach der Nützlichkeit Ihres Projektes. Drucken Sie Ihre Idee in Form eines Thesenpapiers aus und klopfen Sie bei Ihrem Nachbarn an! Überprüfen Sie diese Idee bei einem Ihrer Nachbarn oder bei zehn Nachbarn. Die Reaktionen sind nützlicher als der Kommentar eines Bankiers, der sich nur für Zinsen, Pfändung und Renditen interessiert. Denken Sie daran, die Bank will nur durch Geld mehr Geld verdienen! Wenn Sie als Unternehmer mit Ihrem Projekt auch nur mit Geld mehr Geld verdienen wollen, dann verschonen Sie die Gesellschaft lieber damit. Wir brauchen nützliche Dienstleistungen, Produkte und Waren, keine gehebelten und bunt verpackten Kampagnen.

Der e-Commerce wird weltweit in den kommenden zehn Jahren zunehmen, aber nicht auf der Konzernebene, sondern auf der digital-lokalen Ebene. Das ist eine breite Masse von Unternehmern und Unternehmerinnen, die weltweit miteinander kooperieren werden. Was wir heute daher brauchen, sind digitale Systeme, die die Prozesse vereinfachen, um den internationalen Handel auf diesen lokalen Ebenen zu ermöglichen. Das mag für größere Konzerne problematisch wirken, für die Wirtschaften weltweit wird es besser sein. So werden sämtliche Geldflüsse nicht mehr in den Börsenhandel gezogen, sondern fließen sie viel mehr direkt in die Gesellschaften hinein, wo sie auch hingehören. Von dem Pingpong in der Börse haben wir Bürger sowieso nichts, und man muss sich mal vorstellen, dass 95% des Geldes in den Börsenmärkten fließt. Ein totaler Wahnsinn. Der e-Commerce wird diesen Quatsch beenden, denn jeder Bauer, jede Unternehmerin hat Interesse an langfristigen Kooperationen. Wir brauchen viele unabhängige IT-Firmen, die sich auf kleine Nischen konzentrieren und zwar hinsichtlich von Logistik, Transport und Warenwirtschaft. Darin liegt die Zukunft.

transnationale Industrie 4.0 Youssef Zemhoute