Förderung vs. Forderung Youssef Zemhoute

Im Land der Dichter und Denker wird gefördert, damit man hinterher gefordert und aufgefordert wird. Rückzahlung ist das Gebot der Stunde. Und deshalb kann von einer Förderung nicht die Rede sein, eher von einem verzinsten Angestelltenverhältnis. Es ist deshalb nicht verkehrt, vor Unternehmertum in Deutschland die Haare zu sträuben. Allerdings ist diese deutsche Förderer-Forderer-Kultur in unserer Wirtschaft nicht unbedingt die einzige Möglichkeit zu wirtschaften. Es ist möglich, andere Modelle aufzustellen, bei denen die Risiken nicht verzinst sind. Eine Schuld besteht noch immer, aber ohne Zins. Jetzt mögen Sie denken, dass dies nicht so ein großer Unterschied wäre, und ich wäre umgekehrt über diese Aussage nicht überrascht. Der Zins wird mehr akzeptiert als der Kredit selbst, denn die Bank müsse ja auch verdienen. Dass es schon bei Konsumentenkrediten, um einen finalen Rückzahlungsbetrag von 1,8 bis 2,5 geht, wenn er nicht durch frisches Geld zwischendurch neufinanziert wurde, kümmert die meisten nicht oder sie haben es ausgeblendet. Statt die üblichen 17.000€ Konsumentenkreditsumme stellen Sie sich einen Kredit im Rahmen eines wirtschaftlichen Unternehmens vor. Wir wären beim 10- bis 100-fachen Betrag. Während die Zinsen bei 17.000€ monatlich durchschnittlich ca. 140€ betrögen, wären die Zinsen im 10- bis 100-fachen Bereich entsprechend höher, und lassen Sie sich nicht von halbierten Zinsen täuschen. 4,7% oder gar 2,3% Jahreszinsen mögen Ihnen als klein und wenig vorkommen, aber es wäre ein wesentlich längerer Rückzahlungszeitraum und ein Risiko, das Sie mit Wirtschaft, Kundschaft, Personal und Ihrem Projekt teilen müssten. Ein Konsument wird schlimmstenfalls auf Null gestellt und muss sein Leben neu umgestalten. Bei einem gehebelten Unternehmen sieht eine solche Finanzierung kritischer aus. Und ich habe noch gar nicht von Buyout-Klauseln und Gesellschaftsanteilen gesprochen, da es mir in erster Linie nur um die Förderer-Forderer-Kultur geht. Auch dass der Staat solche Pakete anbietet, bedeutet nicht, dass er harmloser wäre als andere Förderer. Im Gegenteil sorgt der Staat sogar für erheblichere Schäden in der Verwaltung für Sie. Der Staat kann Sie schneller eintragen lassen und die Insolvenzmaßnahmen schneller abwickeln.

Vom bedingungslosen Grundeinkommen weiß ich nicht viel oder gar, was ich davon halten solle, aber es wäre einerseits fatal, andererseits befreiend. Befreiend wäre es für die vielen Kleinunternehmer und Selbstständigen, und fatal für all die Menschen, die sich in einem selbstzerstörerischen Lebensmodus befinden. Es ist vergleichbar mit einer Bankenrettung durch den Staat, mit dem feinen Unterschied, dass man ein Menschenleben rettet, oder auch nicht. Schließlich sind Probleme nicht nur Hindernisse und erheblich nervenaufreibend, sondern auch Herausforderungen durch die man wachsen kann. Fiele das alles weg, dann wären die Gelassenheiten ziemlich überraschend für die Gesellschaft. Diese Argumentation gilt aber nicht für kleine Familien, alleinerziehende Mütter und Väter, und auch nicht für größere Familien, die unter situativer Armut leiden. Es geht dabei nicht, um Schulbesuch, sondern das schlichte Budget für Bücher zur Kultivierung in der Erziehung. Hier kann man ruhig die Hand reichen. Bei Einzelgängern bin ich etwas kritischer, wobei Einzelgänger auch immer seltener in unserer  Gesellschaft gibt.

Was möchte ich mit alle dem sagen: schlichtweg dies, dass nämlich die Diskurse rund um Gründung und Förderung, Wirtschaft und Gesellschaft, viel zu einseitig diskutiert werden. Dieses Problem gilt weithin für alle Themen, die relevant für die Bürger sind. Deshalb ist es mir ein Anliegen, dass man sich hier auch in die Verantwortung zieht. Was heißt es nämlich für gestandene Unternehmer und Unternehmerinnen, wenn sie sich einer gehebelten Masse von Unternehmen gegenüber stehen sehen? Ein Sorgenhebel wird beantragt, um mit dieser vermeintlichen Konkurrenz nur irgendwie umzugehen. Sogar Familienunternehmen in Deutschland begehen diesen fatalen Fehler. Klar, Geld kann viel retten, auch ein Unternehmen, das mit einem bodenlosen Fass vergleichbar ist, allerdings entsteht durch Geld kein Boden. Bedenken Sie das, falls Sie selbstständig, unternehmerisch aktiv oder Familienunternehmer bzw. Familienunternehmerin sind! Am besten Sie gewöhnen sich diese wirtschaftlichen Umgangsformen ab und denken nicht in Konkurrenz, sondern ökonovativ, wie ich es in meiner Entrepreneuristik nenne. In Deutschland gilt leider immer noch: Sie werden gefördert, um hinterher gefordert zu sein; rückzahlungstechnisch. Scheitern ist nicht bezeichnend. Das fände ich nicht so schlimm, würde man es bei der Förderung so kommunizieren und zwar nicht in der Klarheit von Klosbrühe.