Gründen Berater Youssef Zemhoute Soulphone SoulTalk

Die meisten Gründungen haben etwas Konkretes gemeinsam; jeder Gründer, jede Gründerin möchte etwas unternehmen, etwas vertreiben, um einen bestimmten Bedarf abzudecken. Nicht immer ist jener Bedarf mit einem Problem verbunden, was nicht so tragisch ist. Die meisten Gründer suchen händeringend nach Kapital. Mit Ihrem Startup können Sie gefördert werden, allerdings ist es i. d. R. in Form eines Kredites. Bedenken Sie dabei, dass Sie gefördert werden, damit man Sie hinterher fordern kann.

Häufig gründen Menschen mit Zahlen. Es geht dabei nicht nur um Finanzzahlen, sondern auch um Schätzungen, Erwartungen, Häufigkeiten, öffentliche Trends, Tests, Bilanzen, Stückzahlen, SEO, etc. Danach richten sich 99,999% aller Gründerteams. Auch ein IT-Gründerteam mit Größe 14 und einem Kapital von 3,7 Mio € richtet sich nach Zahlen. Das liegt nicht ausschließlich am Investment-Druck, sondern am Glauben an die Berechenbarkeit des Lebens. Ein kitschiges Werbevideo, das die Menschen berührt, erscheint als ideale Werbung in der Weihnachtszeit, so die Annahme auf Basis von Statistiken.

Was in der Wirtschaft zu 100% ausgelassen wird, wohin auch klassische Gründerberatungen führen, sind kohärente Sinnhaftigkeiten beim Gründen. Es mangelt bei Gründungen an Sinn, weil es lediglich um Zahlen geht, zu ca. 70% um bewährte Zahlen. So beobachten Sie derzeit das Aufkommen von IT-Kopismus beim Gründen. Sie haben ein App-Konzept mit einem Bedienungssystem, das auf unterschiedliche Kontexte übertragen wird. Eigentlich ist die Zeit für etwas Neues längst gekommen, aber das Gründen folgt dem Trend der Zahlen.

Ich möchte gar nicht erst Ihre Gründung beurteilen. Nicht weil ich Ihre Geschäftsidee und das dazugehörige Geschäftsmodell nicht kenne, sondern weil ich Sie persönlich nicht kenne. Vielleicht gründen Sie wirklich aus Leidenschaft mit sehr viel Sinn. Jedenfalls wäre  es das sinnvollste Gründen, weil Sie nicht irgendwelchen Zahlen nachjagen werden, sondern fortwährend sich darum bemühen, Ihren Geschäftssinn weiterzuentwickeln und nützlicher zu sein. Gründen Sie nebenberuflich, dann sind Sie noch glücklicher. Keinerlei rote Zahlen, kein Hebelkredit, kein Investorengerede oder überflüssige Bonitätsdebatten. Sie tun Ihre Arbeit mit Sinn und Sie erhalten sich den Sinn Ihrer Gründung.

Stellen Sie sich vor, die meisten Gründer (IT-Branche) werden wie Raketen gestartet. Der Raketenstart ist aber so heiß und verschwenderisch, dass die Rakete sofort am Boden explodiert. Die Rakete ist eine Metapher auf die Sinnhaftigkeit einer Unternehmung, einer Gründung oder eines größeren Unternehmens. Was übrig bleibt, ist das Zählen der explodierten Teile, das Sammeln von Informationen und der Verkauf von Tickets für den nächsten Raketenstart.

In Sachen Wirtschaft können Sie Zahlen nicht erzwingen. Sie legen lediglich eine solide Basis für den Handel. Entweder Ihre außergewöhnliche Problemlösung oder eine tolle Alternative zu einer existierenden Problemlösung. Wenn Sie sich auf Zahlen konzentrieren, dann bleiben Sie ihnen ewig ausgeliefert. Zahlen sind nämlich unberechenbar und es gibt keinerlei Garantie dafür, dass Ihr Produkt bzw. Ihre Dienstleistung ankommt. Denken Sie nur einmal an die Tatsache, dass elektronische Fahrzeuge zeitgleich mit Benzinfahrzeugen erfunden wurden. Erst über 100 Jahre später gibt es ernsthafte Diskussionen und nur einen einzigen Produzenten von Elektrofahrzeugen. Hierbei geht es um Timing.

Abgesehen davon, dass all diese numerischen Unberechenbarkeiten erst im Nachhinein Sinn ergeben, ist es ratsam, bei sich selbst und seiner Arbeit zu bleiben. Die Nutzbarkeit muss im Mittelpunkt stehen. Alles andere liegt nicht in Ihren Händen. Sympathie, Kapital, Kommunikation, etc. können vergünstigende Elemente sein, aber sie beeinflussen kaum Ihren Erfolg. Es geht nämlich irgendwann um Märkte und wenn Sie Wirtschaft verstehen möchten, dann beobachten Sie einen Markt. Es wird Sie verwundern, wie beliebig Märkte entstehen, zunehmen, abschwächen und vor allem verschwinden.

Menschen suchen nicht unbedingt immer nach Sinn, dennoch haben wir alle ein starkes Verlangen danach. Wir kommunizieren auch hauptsächlich über Sinn und Sinnhaftigkeit. Ohne funktionieren Sprachen nicht. Wenn Sie nun den Zahlenhebel nutzen, reduzieren Sie nicht nur den Sinn Ihres Unternehmens, sondern auch die Qualität der Sinnhaftigkeit Ihres Produktes. Was sollen Menschen mit einem zweiseitigen Buttermesser? Ist das ein Problem oder ein Fall für den 1€-Grabbeltisch? Genauso stellt sich diese Frage bei Applikationen. Wozu eine Dating-App mit Gender-Kriterien? Was ist da der Zweck? [mehr dazu im Podcast "Gründen - Investieren - Mehr Geld!"]

Schlechte Projekte sind im Sinne ihrer Sinnhaftigkeit nicht skalierbar. Sie fragen nur, wie viele Menschen es nutzen/gebrauchen/kaufen können. Da liegt auch der Hund begraben und die Katze ist aus dem Sack. Das Konsumverhalten wird zunehmend kritisch, was ich hervorragend finde. Das führt nämlich dazu, dass es immer weniger schlechte Produkte gibt, die nach sechs Monaten mit gedrücktem Niedrigpreis verrümpelt werden. Hohe Ansprüche schaffen ein angenehmeres Bewusstsein in den Märkten, das sich Qualität zum Ziel setzt. Jene Qualität beginnt in der Sinnhaftigkeit eines Projektes und nicht in der Profitabilität.

Denken Sie lukrativ und nicht profitabel! Wenn Sie profitabel denken, dann denken Sie irgendwann nur noch an Sparen, breiter und mehr produzieren und mehr sparen. Irgendwann bieten Sie nur noch Ramsch an. Als lukrativ erweist sich ein Geschäft, wenn es sehr sinnvoll entsteht, gedeiht und umgesetzt wird. Wenn Sie so vorgehen, dann kommen Sie niemandem mehr mit Sätzen wie „Wir brauchen erstmal 1,4 Mio €, weil der Markt sehr groß ist und 1% brächte uns schon Milliarden ein, denn...“ Dann nutzen Sie nämlich Sätze wie z. B.: „Als Ex-Bäcker hatte ich Gewissensbisse beim Wegwerfen von unverkauften Brötchen, so dass ich experimentiert habe. Als ich den Weizensaft entdeckt habe, konnte ich meinen Augen nicht trauen, wie viel ich mit ihm an Lebensmitteln retten konnte.“ 

Erkennen Sie den Unterschied? Ein gieriger Drücker-Typ fängt immer mit Zahlen an. Ein Gründer, eine Visionärin, ein Unternehmer, ein Socialpreneur, etc. beginnt mit einer glücklichen, sehr persönlichen Geschichte, die ruhig irritieren darf. Sie fragen sich bereits vor brennender Neugier, was zum Teufel dieser Weizensaft kann. Das nenne ich Sinnhaftigkeit. Also bitte, gründen Sie mit Sinn, nicht mit Geld! Wenn Sie mit Zahlen an große Zahlen kommen wollen, behandeln Sie diese unglückliche Neigung mit einem Lottospielchen. So haben Sie Freudenphasen und ersparen uns überflüssige Werbung und miserable Produkte und Dienste. Vielen Dank und viel Erfolg (mit Sinn)! Starten Sie mit Ihrer eigenen Form von Lean Management! Ich selbst helfe Menschen, bei ihrer Potenzialentfaltung und bin sehr erfolgreich. [mehr dazu!]

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