Verwechseln Sie nicht Gesellschaft mit Öffentlichkeit! Alles, was Sie in der Öffentlichkeit sehen, ist nicht unbedingt eine gesellschaftliche Realität und nicht jede gesellschaftliche Realität schafft es in die Öffentlichkeit. Wenn Sie das verstanden haben, werden Sie Öffentlichkeit besser verstehen und sozialeren Umgang pflegen. Zwischen Initiative und Selbstgerechtigkeit liegen Welten. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum unserer Zeit, das wir Öffentlichkeit mit Gesellschaft verwechseln. Das hat mit unserer isolierten Grundhaltung zu tun. Sprich, die Öffentlichkeit ist ein Ort der massenmedialen Wissensproduktion.

Die Öffentlichkeit schafft eine Realität. Wir nehmen eine Realität war, die durch und durch selektiert ist. Ich rede dabei nicht nur von Tonband und Kamera-Perspektive, sondern auch von Textarmut. Sie werden erkennen, dass es in der Öffentlichkeit immer um Sensationen geht, die wenig mit der Gesellschaft zu tun haben. Das merken Sie an der einfachen Tatsache, dass die Eigenschaft der Sensation erst die Gesellschaft anziehen soll. Diese Form des Sensationsmarketings finden Sie häufig in Form von „So bekommen Sie Ihren Ex zurück!“ oder „Passiv 80.000€ verdienen mit wenigen Klicks!“ oder mein Lieblingsslogan „Mit Schlanko schlank in 4 Tagen!“

Diese Formen des Marketing sind nervig, aber sie funktionieren, weil sie eine Sensation enthalten. Merken Sie sich, auch wenn es eine sehr unseriös-kurzfristige Technik ist, wenn Sie etwas sehr schnell verkaufen wollen, arbeiten Sie mit Sensationen, die natürlich zu Ihrem Produkt passen. Die Konsequenzen dieses Marketings sind verheerend für die Gesellschaft, da sie sie manipulieren. Niemand wird dabei zu etwas gezwungen, aber durch die Sensation werden Sie aufgerieben und Sie müssen etwas tun. Sie müssen mit der Sensation umgehen, klicken, teilen, auf die Straße gehen, einkaufen gehen oder was auch immer. Es lässt Sie nicht mehr los. Sie unterliegen einem Handlungszwang, weil Sie diese Sensationen Tag für Tag aus sämtlichen Branchen zu hören bekommen. 

Das ist eine ungünstige Art, die Gesellschaft zu fordern. Es sei denn, die Öffentlichkeit macht es mit. Hinsichtlich des Marketings müssen Sie die Öffentlichkeit als den Brunnen der Weisheiten beachten. Wer auch immer in welcher Zeitung etwas über Schokolade schreibt, der erzeugt Öffentlichkeit für alles, was mit Schokolade zu tun hat. Wenn es ein Skandal über schuftende Kakaobohnen-Kinder ist, rechnen Unternehmen mit Umsatzeinbußen, die dann auch eintreten.

Das Marketing Dilemma. Die Gesellschaft, dazu gehören wir alle, neigt nun dazu die Öffentlichkeit mit der Gesellschaft zu verwechseln. Sehen Sie bspw. ein Quartal lang alte Rentner im Fernsehen, die Diebstähle in Supermärkten begehen auf Videoband, werden Sie anders mit Rentnern umgehen. Warum? In Ihrem Kopf macht es „Öffentlichkeit gleich Gesellschaft“. 

Es ist womöglich ein Grundbedürfnis für regelmäßige Offenbarung, das wir haben und nicht loswerden können. Das stimmt natürlich nicht. Jeder, der fähig ist, zu lesen und zu verstehen, der kann das konditionierte Umschalten auch verhindern. Wenn Sie das nächste Mal also eine Nachricht hören, denken Sie immer „Öffentlichkeit ist nicht Gesellschaft“. Glauben Sie mir, das wirkt Wunder! Wenn Sie regelmäßig mit Sensation durch den Markt schnattern, dann wird Ihr Umsatz vermutlich in der Öffentlichkeit verpuffen und niemals in der Gesellschaft ankommen.

Das eigentliche Marketing Dilemma an der ganzen Geschichte ist also der technologische Fortschritt. Sensationsmarketing funktioniert zwar noch, aber Sie können jetzt auch zur Öffentlichkeit beitragen. Es beginnt schon bei einem schlichten Kommentar. Das geht über einen bloßen Leserbrief aus alten Zeiten hinaus. Medien sind weit verbreiteter als jemals zuvor und die Vernetzung forciert das nochmal. Es gibt auch Leser solcher Kommentare, die sich davon inspirieren lassen. Die Frage -Was sagen Kunden dazu?- wird immer beliebter.

Die Frage bleibt noch immer im Raum: Wie gehen Sie mit diesem Marketing Dilemma um? Es ist sehr komplex und der Begriff Marketing Dilemma ist nicht allzu ausreichend, um die umfassende Form dieses Problems zu erfassen. Ein Dilemma oder mehrere führen zu einem bestimmten Image, aber dieses Marketing Dilemma, das öffentliche und gesellschaftliche Sphären austauscht, ist das gewaltigste. 

Wie gehen Sie als Marketing Manager oder Unternehmer damit um? Alte Strategien fortzuführen, wird nicht weiterhelfen. In Zukunft wird es Menschen wichtiger sein, was ihnen selbst wirklich wichtig ist und nicht, was in der Öffentlichkeit gesagt und behauptet wird. Aus dem Brunnen der Weisheit wird zunehmend eine riesige Lagune, in der die gesamte Gesellschaft schwimmt. Am günstigsten wäre daher sich an die Gesellschaft zu halten. Sie beginnt dort, wo Ihre Privatsphäre aufhört, wo auch andere Menschen spazieren, sich unterhalten, etc. Bei allen persönlichen Erfahrungen und Gesprächen werden Sie ganz schnell merken, dass nicht nur „Öffentlichkeit nicht Gesellschaft“ ist, sondern auch „Gesellschaft nicht Öffentlichkeit“. Nach letzterer Erkenntnis beginnt ausgezeichnetes Marketing.

 

[Nutzen Sie den Marketingcall für Ihre unternehmerischen Belange!]

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